Bieler Tagblatt vom 8.2.2016: 3’500 Whisky Flaschen im Angebot.

[:de]Studen. Der Laden von Martin Monnier ist ein Paradies für Whisky-Liebhaber. 3500 Flaschen des schottischen Nationalgetränks bietet er zum Kauf an. Von salzig, rauchig bis grasig findet sich jede denkbare Geschmacksrichtung. Nur von Whisky aus dem Weltall hält er nichts.

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Angefangen hat alles ganz harmlos. Die Eltern von Martin Monnier haben 1981 in Studen einen Getränkeladen eröffnet. Mineral, Bier und etwas Wein – zu kaufen gab es nichts, was man nicht auch bei einem Detailhändler gefunden hätte. Mittlerweile ist das ganz anders. Heute verkauft Monnier Whisky – also Lebenswasser, wie er sagt, was die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Whisky ist, das sich vom schottischen «uisge beatha» ableitet.

Denn als es 1999 mit dem Fall der Alkoholsteuer einfacher wurde, hochprozentigen Alkohol zu importieren, nutze Monnier die Chance. Heute ist sein Geschäft, die Monnier Trading AG, an der Büetigenstrasse in Studen der grösste Whisky-Laden der Schweiz. 3500 Flaschen stehen auf zwei Etagen zum Verkauf bereit. Mitinhaber ist sein Bruder Stefan Monnier.

2500 Raritäten

Etwa 2500 dieser Flaschen gelten als Raritäten. Beispielsweise der 35 Jahre alte «Caol Ila» aus der gleichnamigen Destillerie auf der schottischen Insel Islay. Ein Whisky, der zu den Liebsten Monniers zählt. «Obwohl es immer auch von meiner Laune abhängt, was ich gerne trinke.» Der typische rauchige Geschmack des «Caol Ila» rühre von der Art und Weise her, wie das Korn getrocknet wurde, erklärt Monnier. Mit Torf nämlich, also verrotteten Moospflanzen (siehe Infobox). Eine Methode, die laut Monnier aus der Not heraus geboren wurde, weil die Schotten keine Kohle zur Verfügung hatten.

Der erwähnte «Caol Ila» erschien in einer limitierten Auflage von 180 bis 200 Stück. Eine Flasche kostet 500 Franken. Damit gehört sie aber noch lange nicht zu den teuersten im Geschäft des 46-Jährigen, der sagt: «Whisky trinken ist Genuss pur.» Er nimmt sich jeweils gerne eineinhalb Stunden Zeit, um ein Glas – respektive ein «Dram» – zu trinken.

15 – 9000 Franken für 2 Flaschen

Die Begeisterung für das schottische Nationalgetränk war da, seit er mit 20 Jahren erstmals einen Single Malt trank: blumig, rauchig, salzig, medizinisch, grasig oder nach Karamell schmeckend. «Whisky ist das Destillat mit den meisten Geschmacksnuancen, das faszinierte mich schon damals», sagt Monnier, der sein Geschäft aus Leidenschaft betreibt und heute über ein riesiges Wissen verfügt.

Entegen kam ihm, dass das Getränk in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebte.  Whisky ist mittlerweile die beliebteste Spirituose der Schweiz – Tendenz steigend. Da erstaunt es wenig, dass viele Kunden bereit sind, sehr viel Geld dafür zu bezahlen. Das spürt auch der Seeländer Martin Monnier. Den teuersten Tropfen hat er kürzlich an einen Amerikaner verkauft. Dieser kaufte bei ihm die zwei Flaschen Ardbeg mit Jahrgang 1972 über das Internet holte sie dann selber ab. Kostenpunkt: stolze 15’900 Franken.

Es sind hautpsächlich die Spezialprodukte, mit denen Monnier Geld verdient. Zwar ist es an diesem Nachmittag in seinem Geschäft äusserst ruhig. Kein einziger Kunde betritt während einer Stunde das Geschäft. Für Monnier kein Problem: Er zählt etwa 50 Kunden pro Woche. «Neun von zehn kaufen etwas», sagt er. Und allen ist etwas gemeinsam: «Wer zu mir kommt, der sucht das Besondere.» Viele sind auch auf der Suche nach einem Geschenk. Alle schätzen die Beratung, die Monnier erteilt. «Ich kann mich stets an die Kunden erinnern.Und auch ein Whisky-Liebhaber ohne besonders dickes Portemonnaie wird fündig. Über 90 Prozent der Flaschen kosten zwischen 50 und 400 Franken.

«Ein Marketing-Gag»

Die Käufer kommen aus der ganzen Schweiz nach Studen. Und wie erwähnt verkauft er seine Flaschen übers Internet weltweit: Nach Amerika, Hong-Kong und Taiwan. Für viele sei ein seltener und teurer Whisky eine Art Anlage. Statt an der Börse investieren die Käufer in die Spirituose.

Monnier selber reist immer wieder in die Destillerien nach Schottland, die zwischen dem weiten offenen grünen Land mit den Mooren und den windumbrausten Felsküsten liegen. «Hinzu kommen die  Schlösser und Ruinen – das fasziniert mich», sagt er. Beeindruckend sei auch die Tatsache, dass oft ein ganzes Dorf hinter einer Destillerie und seinem Produkt stehe. Beim Whiskey-Fest auf Islay gibt es für Besucher eine lange Warteliste.

Daneben steht Monnier mit den grössten Händlern Europas in Kontakt und schaut, welche Whiskys neu auf den Markt kommen.

Früher kam Whisky fast ausschliesslich aus Schottland, Irland und den USA. Heute gibt es praktisch kein europäisches Land, das keinen produziert – auch im Seeland wird Whisky hergetellt. Whisky kommt auch aus Indien und Japan. Die Japaner schossen letztes Jahr sogar Whisky-Proben ins Weltall, wo sie in der Raumstation ISS in Schwerelosigkeit weiterreifen sollen. Davon hält Monnier allerdings nicht viel: «Das ist ein Marketing-Gag.»

Was Whisky-Sorten unterscheidet ist das Verhältnis von Wasser, Gersten (Weizen, Roggen, Mais) und Hefe, aber auch die Art, wie das Korn getrocknet wurde. Die Schotten verwenden dafür Torf.

  • Der Geschmack wird von den Fässern beeinflusst, in denen er gelagert wird. Er wird oft in Fäsern gelagert, in denen zuvor Bourben, Wein, Portwein oder Sherry war.
  • Die Schotten schreiben Whiskyohne e, die Iren und Amerikaner schreiben Whiskey.

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